Rauhes Meer Bretagne
Bretagne – das klingt nach rauhem Meer, wenig Sonne und Klippen und schroffe Küste stand Stränden mit viel Sand. Das stimmt, aber wie meistens ist das nur die halbe Wahrheit. Vorherrschend ist allerdings eine schroffe, von atlantischer Brandung umschäumte Felsküste, mit kleinen pittoresken Fischerdörfchen und schmucken Hafenstädten. Dazwischen findet man aber auch den einen oder anderen Badeort, gelegen an einem Stück Strand. Unterscheiden muss man zwischen der Nord- und Süd-Bretagne. Während im Norden die Landschaft eher den Erwartungen entspricht, ist im Süden ein wärmeres Klima anzutreffen und sogar die eine oder andere Palme zu sehen.
Die Bretagne ist ca. 27.000 Km² groß und beherbergt etwa 2,8 Mio. Einwohner. Dazu kommen übers Jahr ungefähr 3 Mio. Touristen. Das macht die Bretagne zur meistbesuchten Region Frankreichs nach der Côte d’Azur. Mit der Beschaulichkeit ist es vor allem im Monat August vorüber, wenn die Franzosen ihren Ferienmonat einläuten und in Scharen in die Bretagne einfallen. Hat man vorher noch bequem einen Zeltplatz oder ein schönes Zimmer bekommen, ist es damit am 1. August schlagartig vorbei und Achselzucken und mitleidiges Lächeln die Antwort auf eine entsprechende Anfrage.
Mittelpunkt des Badegeschehens ist die Halbinsel Quiberon an der Südküste. Auch Carnac und die Strände rund um den Golf von Morbihan sind voll auf touristisches Wasservergnügen ausgerichtet.
Bekannt ist die Bretagne bestimmt unter Comic Liebhabern. Die seit den Fünfziger Jahren erscheinende Asterix und Obelix Serie von René Goscinny und Albert Uderzo gibt einen etwas anderen Einblick in Land und Geschichte. Die beiden Protagonisten gehören mit Sicherheit zu den bekanntesten Bretonen überhaupt. Die Hinkelsteine des Obelix findet man mit etwas Phantasie in Carnac. Dort stehen ungefähr 3000 Menhire, die vor 5000 Jahren von einem Volk errichtet, das lange vor den Galliern in der Bretagne lebte und über das sonst wenig bekannt ist.
Obwohl die Bretonen das gar nicht gerne hören ist die Bretagne typisch französisch und damit für Genießer und Feinschmecker eine Reise wert. Umgeben von 1200 Km Küste gibt es nirgends frischeres Meeresgetier. Dazu kommt Gemüse und Backwaren aus dem landwirtschaftlich geprägten Hinterland. Die Meeresfrüchte sind von absoluter Spitzenqualität und werden meist noch am Fangtag von den Köchen zubereitet. Die Auswahl ist naturgemäß vor Ort sehr groß und so verwundert es nicht, dass die lokale Küche sehr abwechslungsreich ist. Weltruf haben die Huîtres, die Austern. Sie werden gereicht mit Zitrone und Butterbrot und dazu gehört ein kühler Weißwein. Wie bei uns die Currywurst, gibt es in der Bretagne Austern an Buden am Straßenrand. Vor allem in Cancale an der Côte d’Émeraude kann man direkt neben der Straße, die sich am Meer entlang schlängelt, Austern von den davor im Meer gelegenen Austernbänken schlemmen. Frischer geht’s wirklich nicht.
Berühmt aus Fantasiefilmen ist der Mont-Saint-Michel, ein Klosterberg 50 Km östlich von St-Malo am Übergang zur Normandie mitten im Meer gelegen. Verbunden und bei Flut nur über diesen zu erreichen ist der Berg mit einem etwa 1,5 Km langen Deich. Ein einmaliger Anblick und einen Besuch auf jeden Fall wert.
Wie eingangs erwähnt lädt vor allem der Süden zum Baden ein. Quiberon, eine lang gezogene Halbinsel mit herrlichen Stränden ist ein wahres Paradies für Familien und Wassersportler. Teilweise ist die Insel nur wenige Meter breit und trennt die dem offenen Atlantik zugewandte Westküste mit Brandung und viel Wind von der windgeschützten Ostküste. Der Strand ist feinsandig und von sehr heller Farbe. Flaches Wasser lädt zum Planschen und Spielen ein. An windigeren Tagen kann man neben Windsurfern und Kitern auch Strandsegler sehen, die entweder ein Segel auf ihren Strandbuggy montiert haben oder sich gleich von einem Kite mit atemberaubender Geschwindigkeit über den breiten Strand ziehen lassen. Bei Ebbe muss man auf der Ostseite teilweise sehr weit laufen, bis man im kühlenden Nass untertauchen kann. In den heißen Sommermonaten kann das zu einem permanenten Hin und Her werden, da man auf dem Rückweg bereits wieder aufgeheizt ist. Übernachten kann man auf Quiberon am besten auf dem Campingplatz. Einziges Manko: es darf nur elektrisch oder mit Gas gegrillt werden.
Für Leute, die nicht nur 14 Tage am Strand in der Sonne braten wollen, sondern auch Abwechslung und Leckereien aus dem Meer zu schätzen wissen, ist die Bretagne ein ideales Reiseziel.
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